aktuell news head de

R2020 4Sibirien

Griechenland: Kalte Frauenverachtung

Flucht ist besonders für Frauen und Kinder eine riskante Angelegenheit. Bewegen sie sich doch lange und ungeschützt in spannungsgeladenem Umfeld, wobei die größte Gefahr aus den eigenen Reihen droht.

Flüchtlinge aus manchen Herkunftsländern tragen ein Frauenbild in sich, das rückständiger nicht sein könnte. Vor diesem Hintergrund sind kaputte männliche Migrantenseelen zu wirklich jeder Niedertracht fähig. Unzählige Frauen berichten von bitteren Erfahrungen. Dazu befragen wir Mitra, die Leiterin unserer Athener Zentrale.

Mitra, du leitest das Athener Zentrum Father’s Heart. Da bist du wohl gut beschäftigt?
In der Tat. Allein in den letzten 14 Tagen bekam ich 120 Textnachrichten von Hilfesuchenden. Ich arbeite stabsmäßig nach Tagesplan, um alles bewältigen zu können. Trösten, helfen, Ausgabe von Hilfsgütern, ....

Auch andere Hilfsorganisationen tun dies ...
Ja, klar. Aber das Father’s Heart soll ein Ort sein, an dem vor allem Frauen und Kinder Sicherheit und Frieden spüren. Überall lauern Gefahren auf sie. Sie sind in einem Klima aufgewachsen, in welchem sie gelernt haben, niemandem zu vertrauen. Niemandem! Es gibt Männer, die ihre Ehefrau an Schlepper ausliefern, wenn ihnen das Geld ausgeht. Frauen finden keine Sicherheit, und schon gar keinen Frieden. Father’s Heart aber ist ein Ort zum Atem Schöpfen. Hier finden sie ein offenes Ohr, und wenn wir ihnen etwas versprechen, dann halten wir es auch.

Ihr betet auch mit den Frauen ...

Ja. Dafür sind sie besonders dankbar. Wir nehmen den Müttern auch die Sorge um ihre Kinder vorübergehend ab.

...und bietet Schulungen an.
Wir bringen den Frauen auch Fertigkeiten bei, die sie später vielleicht brauchen können. Die Hauptsache aber ist für sie, zu erfahren, dass ihr Schöpfer sie kennt und liebt und sein Wort verbindlich ist.

Was beschäftigt dich aktuell besonders?
Kürzlich kam eine Frau in die Wäscherei. Während die Maschine lief, erzählte sie mir stockend, der Freund ihres Mannes habe sich an ihrer 10-jährigen Tochter vergangen und ihr dann gedroht, die ganze Familie umzubringen, wenn sie es publik machen würde. Ich bot Hilfe und Gebet an. Tags darauf kam die ganze Familie. Der Mann brach weinend zusammen, als er das vernahm und wollte den Täter umbringen. Zusammen mit einem Pastor redeten und beteten wir. Er wurde ruhiger, und die Familie konnte den ersten Schmerz überwinden. Nun ist die Polizei eingeschaltet, um weiteres zu verhindern. Für die Familie wurde ein geschützter Ort gefunden.

Kannst du uns Einblick geben in Frauenschicksale?
Da ist zum Beispiel die bildhübsche Iranerin, deren drogensüchtiger Vater sie als 12-Jährige an seinen Lieferanten verkauft hat, um sich so den Nachschub zu sichern. Sie war gezwungen, den 62-Jährigen zu heiraten. Mit 15 gebar sie eine Tochter, worauf ihr Mann sie auf grausamste Weise selber beschnitt. Als sie schreiend und blutend aus dem Haus lief, brachte man sie ins Spital. Sein Kommentar: »Das ist doch gut so. Ich habe mehr Vergnügen und ihr wird alles Vergnügen vergangen sein.« Sie konnte sich gegen seinen Willen nicht scheiden lassen. Nach zehn Jahren gelang ihr mit ihrer Tochter zusammen die Flucht. Weil ihr Mann aber reich und einflussreich ist, hat sie Angst, er werde sie aufspüren und bestrafen. Wir konnten die beiden in einem geschützten Haus unterbringen. Oft hören wir auch von Vorkommnissen, die wir gar nicht beeinflussen können (siehe unten), aber sie geben uns ein Bild der Gesamtsituation, und die bestätigt uns stets auf’s Neue die Notwendigkeit unseres Dienstes. Wir bleiben dran.

Gibt es Frauen, die den Kontakt mit euch aufrecht halten, nachdem sie eure Hilfe nicht mehr brauchen?
Wir freuen uns über Rückmeldungen wie etwa das Telefongespräch von gestern mit Zarah, die jetzt mit ihren drei Jungen in Deutschland bei ihrem Mann lebt. »Sobald wir Papiere und die Möglichkeit haben, wollen wir euch besuchen kommen«, meinte sie, »und allen danken, denn dort in Athen ist meine richtige Heimat. Da fand ich Gott und meine christliche Familie.«

Menschenbild: vorchristlich
»Wir mussten aus Afghanistan fliehen, weil wir uns für den christlichen Glauben interessiert hatten. Unser Fluchtweg führte über steile Gebirgspfade. Mit uns floh auch ein uns unbekanntes Ehepaar mit zwei Kindern.

Irfan* trug das größere Kind, während seine Frau das Baby in den Armen trug. Plötzlich rutschte sie aus und konnte sich nur noch mit einer Hand an einem Strauch über dem Abgrund festhalten. »So hilf mir doch!« flehte sie. Irfan aber meinte trocken: »Lass doch das Kind fallen und hilf dir selbst. Ich mache dir ein neues« – und ging mit dem anderen Kind weiter. Sie musste das Baby fallen lassen.

Stunden später. Meine Frau war so schwach geworden, dass ich sie tragen musste. »Warum mühst du dich mit ihr ab?« meinte Irfan spöttisch. »Du kannst dir doch eine Hübschere nehmen.«

*Name geändert