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Nepal: Raufbold wird Gemeindegründer

Sein Vater war ein berühmter buddhistischer Lama. Er kannte sämtliche Regeln des Buddhismus und Hinduismus von Kindsbeinen an. Die Existenz christlicher Gemeinden lag damals im Norden von Nepal noch in weiter Ferne.

Schon als Teenager hatte ich den zweifelhaften Ruf eines berüchtigten Raufbolds. Mit 19 Jahren ging ich nach Indien und schuftete dort 13 Jahre lang. Wie für viele Nepalesen üblich, wurde ich dort wie ein Sklave behandelt und geschlagen. Einheimische kannten unseren Zahltag und raubten uns jeweils auf dem Heimweg aus. Diese Zeit als Gastarbeiter trieb mich in eine tiefe Lebenskrise. Aus Rache gegenüber meinen Peinigern wurde ich kriminell und in der Unterwelt aktiv.

Ein folgenschwerer Flyer
Ein nepalesischer Arbeitskollege drückte mir einen christlichen Flyer in die Hand. Ein Wunder, denn wir befanden uns in Uttar Pradesh, einem für sein restriktives Antibekehrungsgesetz bekannten Bundesstaat, der laufend wegen brutaler Gewalt an Christen für Schlagzeilen sorgt. Der Flyer weckte mein Interesse dermaßen, dass ich sofort nach Nepal zurückkehrte, um eine christliche Gemeinde zu suchen.

Dort stellte sich heraus, dass sich meine Mutter in der Zwischenzeit hatte taufen lassen. Durch einen Evangelisten, der von AVC motiviert, in diese abgelegene Gegend gezogen war. Ich besuchte den Gottesdienst, wurde tief berührt. Ich betete zu Gott: »Wenn du wirklich real bist, beweise es mir. Seit meiner Kindheit leide ich an Rheuma. Im Winter habe ich unerträgliche Schmerzen. Weder Zauberer noch Geisterbeschwörer haben eine Heilung hingekriegt. Wenn du es schaffst, folge ich dir.« Drei Monate später waren die Schmerzen weg.

Heute bin ich 52 Jahre alt und habe seitdem nie wieder etwas davon gespürt.

Mit Widerstand konfrontiert
Meinem Vater hat mein Sinneswandel nicht gefallen. Den Leuten im Dorf sagte er zwar, dass ich auf furchtbare Abwege gekommen sei, mir machte er jedoch nie einen Vorwurf. Einmal gab er sogar zu: »Mein Sohn, ich bin nur deshalb ein buddhistischer Lama geworden, um unsere Familie zu ernähren.« Gleichzeitig ließ er sich gern als Geisterbeschwörer verehren. Hasste jemand andere Personen, sorgte er mit Hilfe dämonischer Mächte dafür, dass diese krank wurden oder starben.

Nachdem ich Christ geworden war, änderte sich mein Leben radikal. Ich bekam einen tiefen Frieden – und geriet gleichzeitig in Schwierigkeiten: Unerwartet starb mein Vater. Weil ich mich weigerte, anlässlich seiner Beerdigung buddhistischen Rituale zu vollziehen, stellten sich Verwandte gegen mich, wollten mich enterben, ließen mich nicht mehr in ihr Haus. Freunde distanzierten sich öffentlich. Dorfbewohner wurden handgreiflich. Ich wurde zur Persona non grata und musste mein Heimatdorf verlassen.

Erfolgreich vertrieben
In der neuen Wohnregion habe ich inzwischen 11 Gemeinden gründen können. Ich bin dankbar, dass mich AVC in diese aufregende Aufgabe hineingeführt hat. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen kann ich den neuen Christen beistehen, die mit ähnlichen Widerständen zu kämpfen haben, wie ich damals. Mein größter Traum ist, in mein Heimatdorf zurückkehren zu können, um meinen Leuten dort von Jesus zu erzählen.

Einige Verwandte rufen mich heimlich an, um mich über meinen Glauben auszufragen. Sie sind beeindruckt darüber, dass ich heute mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten verkehre. Christus kennt eben kein Kastendenken. Er verändert einfach Herzen von Menschen.