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Haiti news webseite facebook 26. Juli und facebook 28. JuliHaiti: Karibische Katastrophe, gelebte Hoffnung

»Oh, wundervoll!« Die Kollegin ist begeistert, als sie von dem geplanten AVC-Einsatz in Haiti hört. Doch sie verwechselt den Südseetraum Tahiti mit Haiti – dem Albtraum der Karibik. Brigitte Frei, Vorstand AVC Schweiz.

Haiti liegt am Boden. 2010 traf ein verheerendes Erdbeben das Land: 300 000 Tote, Totalschaden an der spärlichen Infrastruktur, ein großer Teil der Gebäude eingestürzt. Letzten Oktober dann die nächste Katastrophe: Hurrikan Matthew verwüstete weite Teile des Landes. Wieder wurden Häuser, Plantagen und Ernten zerstört. Wieder gab es Tote. Haiti liegt am Boden – schon wieder.

Gefährliches Elend
Unsere Fahrt vom Flughafen durch Port-au-Prince ist ein Schock. Oben am Hang liegen hinter hohen Mauern die Häuser der Elite. Doch in der Ebene gehen erbärmliche Slums und improvisierte Märkte nahtlos ineinander über. Menschenmassen auf engstem Raum, Dreck und Verwahrlosung, es stinkt erbärmlich. Am Straßenrand türmt sich der Abfall mannshoch. Menschen und Tiere wühlen darin auf der Suche nach Essbarem. Unser Chauffeur fährt nur ungern etwas langsamer, damit wir filmen können. Anhalten zum Fotografieren? Zu gefährlich!

Wer kann, geht
Wir sind unterwegs mit einem Team von AVC/Nehemia und besuchen Partner und Projekte. Nicht überall auf Haiti ist das Elend so konzentriert wie in Teilen der Hauptstadt. Doch im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre kämpft der größte Teil der Bevölkerung weit unter dem Existenzminimum ums Überleben. Es gibt keine Industrie, keine Arbeit. Wer kann, verlässt das Land.

Haiti liegt auf Platz 10 des »Failed-States-Index«, hinter Afghanistan und vor Irak. Die regierenden korrupten Clans bereichern sich am Wenigen, das der Karibikstaat noch hergibt. Zentrale Staatsaufgaben wie Bildung, Gesundheit, Infrastruktur oder Sicherheit hingegen liegen – sofern überhaupt vorhanden – fast vollständig in den Händen von Hilfswerken.

Hilfe im Kleinen
Haiti liegt am Boden – immer noch. Wie lange noch? Aus menschlicher Sicht fehlen Haiti sämtliche Voraussetzungen, um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. So sehr wir es uns wünschen würden: Auch AVC/Nehemia hat nicht die Ressourcen, am großen Ganzen viel zu verändern. Umso mehr aber im Kleinen, Schritt für Schritt! Diese gezielte Hilfe ist es, die für Haiti und seine Menschen einen bedeutsamen Unterschied macht. Oft ist es eine Frage von Leben oder Sterben (s. Berichte rechts).

Hoffnung für Haiti
Mit unseren Projekten unterstützen wir einheimische Christen darin, ihr direktes Umfeld zum Guten zu verändern und mit christlichen Werten zu prägen. Unsere Partner sind Menschen, die auf eindrückliche, aufopfernde Art und Weise für ihre Mitmenschen da sind. Wir helfen ihnen zu helfen: direkt, unkompliziert und da, wo Hilfe am allernötigsten ist. Menschen wie sie sind die Hoffnung für Haiti. Im Kleinen beginnt, was groß werden soll. Danke, dass Sie helfen, Not zu lindern und Hoffnung zu säen.

Sekundarschule Ecole Lumière
Die Ecole Lumière in Léogâne ist ein Paradeprojekt von AVC/Nehemia. Sie wirkt wie eine friedliche Insel mitten im Chaos. Die Sekundarschule für 700 Schüler wird regelmäßig zu einer der besten Schulen Haitis gekürt. Dank den Schulpatenschaften kommen auch Kinder aus armen Familien in den Genuss von Bildung. Neu wird AVC/Nehmia an alle Schüler ein kostenloses Mittagessen ausgeben, da viele Eltern den Schullunch nicht bezahlen können.

Gemeindebau und Primarschule
»Pasteur! Pasteur!«, rufen die Menschen und winken, wenn man mit Pastor Milien von der Pfingstgemeinde in Léogâne durch die Straßen fährt. Man kennt und liebt ihn. Er betreut als Partner von AVC/Nehemia unsere Projekte in Haiti. Wir haben das nach dem Erdbeben völlig zerstörte Gemeindehaus wieder aufgebaut. Seine Gemeinde ist eine lebendige Kirche, Anlaufstelle für Menschen in Not und Primarschule in einem. Wir planen, die dunklen, nur notdürftig ausgebauten Räume im Erdgeschoss der Kirche zu erneuern und in freundliche Schulzimmer zu verwandeln.

Missionare für Haiti
Das kostbarste »Geschenk« für Haiti sind Missionare. Zwei hervorragend ausgebildete Ehepaare, bewährte Leiter aus der kubanischen Pfingstkirche, sind gekommen. Sie haben zum Teil haitianische Wurzeln und die Berufung, den Haitianern zu dienen, die lokalen Gemeindeleiter zu unterstützen und Gottes Reich zu bauen. AVC/Nehemia trägt diesen Dienst finanziell. Unsere Bibelschule vor Ort hat gute Leute ausgebildet, die das Land jedoch wegen der wirtschaftlichen Situation verlassen.

Mikrokredite
Wir treffen Désir Jeaneau und Alice Sidor auf dem Markt von Léogâne. Désir Jeaneau verkauft Elektronikartikel, Alice Sidor hat einen Stand mit Hygiene- und Kosmetikprodukten. Beide konnten ihr kleines Geschäft dank einem Mikrokredit von AVC/Nehemia eröffnen und tragen nun maßgeblich zum Familieneinkommen bei. 100 solcher Kredite sind konstant im Umlauf. 100 bis 200 Euro dienen als Startkapital für eine Geschäftsgründung oder eine umsatzsteigernde Anschaffung. Innerhalb eines Jahres wird das Darlehen zurückbezahlt – und umgehend weiter verliehen.

Katastrophenhilfe und Wiederaufbau
Hurrikan Matthew hat den Südwesten Haitis besonders schwer getroffen und tausende Menschen obdach- und mittellos gemacht. Beherzt und unter großem persönlichen Einsatz hat Amouza Eta rund 250 Familien aus der Umgebung auf einem Hügel gesammelt, wo sie in der relativen Sicherheit einer Gemeinschaft Notunterkünfte erstellt haben. Die Christin hat so vielen das Leben gerettet und das Überleben gesichert. AVC/Nehemia half und hilft in dem provisorischen Lager mit dem Nötigsten. Viele konnten bereits wieder heimkehren, aber immer noch leben vorwiegend alte Menschen, Frauen und Kinder auf dem Hügel unter prekären Verhältnissen. Sie müssen so bald wie möglich zurück in ihre Dörfer. Wir bieten Hand beim Wiederaufbau.