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News 27 KW Griechenland

Irak: Im Chaos zu Hause

Christen im Irak, wo Tradition auf Erweckung trifft und Anbeter in Ruinen stehen.

Die christliche Präsenz im Irak ist hunderte Jahre älter als der Staat, der erst nach dem 1. Weltkrieg und dem Zerfall des Osmanischen Reiches geboren wurde.

Christen zuerst da 
Ein Land ohne Nation, mit Grenzen, die Stammesgebiete durchtrennen. Ein Chaos, entstanden durch die Europäer, die die Welt aufteilten. Und dazwischen Christen. Sie kennen das Hin und Her, Kämpfe und Besatzungen. Sie waren dort, sie blieben dort. Aber wanken ist menschlich und fliehen scheint manchmal die einzige Option.

Die traditionellen Kirchen haben ihre Anfänge im 4. Jahrhundert nach Christus und machen auch jetzt noch den größten Teil der Christen im Irak aus. So zählen  beispielsweise zwei Drittel zur Chaldäisch Katholischen Denomination, und die zweitgrößte Gruppe stellt die Assyrische Kirche. Mit den Missionsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert – ausgehend von britischen Methodisten und amerikanischen Protestanten –entstanden auch protestantische Kirchen in der Region des heutigen Irak. Die Missionare waren unter den einheimischen als Biblishiyyun (Bibelmänner) bekannt, da sie arabische Bibeln verteilten. Sie stießen zunächst auf Widerstand. Es gab Verhaftungen, begründet durch die Anklage, blasphemische Literatur zu verbreiten und den Frieden zu stören. Im Jahr 1850 garantierte der osmanische Sultan Abül Mecid den protestantischen Christen dieselben Rechte und Privilegien wie anderen religiösen Minderheiten im Osmanischen Reich. 1853 deklarierte ein weiteres Edikt die Verfolgung protestantischer Konvertiten als ungesetzlich. Spätestens jetzt konnte man von einer protestantischen Kirche neben den traditionellen Kirchen in der Region des heutigen Irak sprechen.

Nach den Osmanen
Der 1. Weltkrieg brach los, das Osmanische Reich fiel, und die britische Besatzungsmacht setzte im Irak einen Araber aus Mekka als König ein. 1958 wurde das Land zur Republik. Es folgten Kriege und die Herrschaft von Autokraten und schließlich Invasion und Besetzung. Ab 2003, das Jahr in dem Saddam Hussein abgesetzt und der Irak unter amerikanische Obhut kam, verschlechterte sich die Situation der Christen. Sie wurden mit dem Vorwurf an den Pranger gestellt, die christlichen Besatzungsmächte ins Land geholt zu haben. Der Begriff »Kreuzzug« erlebte eine Renaissance, und die Gesellschaft begann, gegen Christen zu kämpfen. Muftis (muslimische Rechtsgutachter) sprachen beispielsweise Fatwas (Rechtsgutachten zu religiös-rechtlichen Fragen) gegen Alkohol aus. Das führte zu Vandalismus gegen christliche Händler. Andere machten sich daran, aus dieser Situation Profit zu schlagen und erpressten Schutzgelder von Kirchen und Händlern. Es wurden Bomben geworfen, es wurde gekidnappt, gefoltert und gemordet.

Unter der schwarzen Flagge
Aber in der Dunkelheit strahlt Licht erst richtig auf. Die evangelikalen Gemeinden erlebten ab 2003 eine beispiellose Erweckung, gründeten zahlreiche neue Kirchen. Auch christliche Schulen, Büchergeschäfte und Radiosender kamen dazu. Die Pastoren predigten zu der Bevölkerung, die keinen Frieden finden konnte, von einem tiefen Frieden, der nur durch Jesus zu haben ist. Viele, darunter auch traditionelle Christen, entschieden sich, Jesus von ganzem Herzen zu folgen. Evangelikale Kirchen erlebten nun Konfrontation, nicht nur von der muslimischen Bevölkerung, sondern auch von Seiten der traditionellen Kirchen.

2014 begann die schwarze Flagge zu wehen. Der Irak sollte Teil eines dschihadistischen Staats werden. Bis 2017 wüteten Anhänger des sogenannten Islamischen Staates im Irak. Sie gingen massiv gegen Christen vor, zerstörten systematisch deren Städte. Ab 2017, nach der Verdrängung des IS vom irakischen Territorium, blieb nichts, zu dem die Christen zurückkehren konnten. Viele harrten in Flüchtlingscamps aus, mit nur einem Ziel: Weiter nach Europa.

Wiederaufbau
Doch manche kehrten zurück. Um aufzubauen, was zerstört worden war, um die Städte wieder einzunehmen, Geschäfte zu machen, auf den Straßen zu lachen und Gott anzubeten. Sie bringen das Lob Gottes zurück an die Orte, in die sich ihre Feinde zurückgezogen, in denen sie gefoltert und gemordet hatten. Denn Kirchen wurden von der irakisch-amerikanischen Allianz nicht angegriffen.

Ja, das Leben ist schwer, was geschehen ist, ist grausam und die Zukunft aus menschlicher Sicht nicht vielversprechend. Aber wir haben einen Gott der Hoffnung. Und dieser Gott motiviert die christlichen Iraker. Im Gegensatz zu großen Teilen der Bevölkerung blicken sie positiv nach vorne.

Ich wünsche mir, dass sich der Irak zu einem stabilen Rechtsstaat wandelt, in dem die Bevölkerung mit Freude leben kann. Schließlich ist Jesus auch für die Iraker gekommen, um ihnen »Freudenöl statt Trauer und Feierkleider statt eines betrübten Geistes« zu geben.