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Sibirien: Unvergessliche BegegnungenMali: Kontraste 

Mali, eines der ärmsten Länder der Welt, irritiert durch Kontraste. Das Land gilt als muslimisch – doch es gibt starke christliche Gemeinden. Ein schwaches Schulsystem, doch die Grundschule von AVC ist hervorragend.

Mali überrascht, irritiert bisweilen mit Gegensätzen. Wir drücken uns durch Straßen, verstopft mit Marktständen, Menschen und Autos – doch Autohupen hören wir kaum. Im nördlichen Teil tobt islamistischer Terror – doch die Regierung im Süden ist säkular. Von dieser und einem großen Teil der muslimischen Bevölkerung wird die christliche Minderheit respektiert. Die eher ungezwunge afrikanische Mentalität steht im Kontrast zur Zuverlässigkeit unserer Projektleiter vor Ort. In diesem Umfeld begegnete ich eindrücklichen Persönlichkeiten.

Verfolgt durch die Familie
Monique aus Timbuktu im radikalislamischen Norden ist Christin geworden und wird von ihrer Familie terrorisiert: »Sie packten mich auf offener Straße, rissen mir bis auf die Unterwäsche die Kleider vom Leib. Da war niemand, der mir half. Schließlich sah ich einen Soldaten und rannte auf ihn zu. Er erkannte er mich, da wir ihm 2012 zur Flucht verholfen hatten. Er war mit uns in den Süden gekommen, und wir hatten uns zusammen im Haus eines Pastors versteckt. Der half mir nun, vor meiner eigenen Familie zu fliehen.« Monique hat inzwischen die Bibelschule abgeschlossen und ist mit einem Arzt verheiratet. »Ich weiß, dass jetzt die Christen meine Familie sind. Aber von den eigenen Angehörigen so misshandelt zu werden, tut weh. Besonders schmerzt es, dass meine Mutter da mitgemacht hat. Es sind Narben, die im Herzen bleiben.«

Monique engagiert sich als Missionarin unter Kindern.

Mordversuche durch die Schwester
Amadous* Vater hat mit drei Frauen 29 Kinder. Amadou gehört zum Volksstamm der Fulani, berüchtigt durch mörderische Übergriffe radikaler Mitglieder auf Christen.

»Ich habe Jesus Christus durch einen Freund kennengelernt. Sein Mut und sein Engagement haben mich berührt. Nach meiner Entscheidung für Jesus musste ich meine Familie verlassen, nachdem sie mehrere Mordversuche gegen mich unternommen hatten. Meine Mutter verhalf mir dann zur Flucht. Meine spätere Entscheidung, mich mit meiner Familie zu versöhnen, war ein Kampf. Heute, nach mehr als dreieinhalb Jahren, kann ich es wieder wagen, in mein Dorf zu gehen. Doch für meinen Vater bin ich ein unehelicher Bastard. Alles was ich berühre, ist unrein. Mein Geschirr muss siebenmal gewaschen werden. Aber ich freue mich, dass bereits sechs meiner Geschwister Christen sind, darunter die Schwester, die mehrfach versucht hat, mich zu vergiften.«

 

Enfants jetés – weggeworfene Kinder
»Hier werden Babys mitten auf der Straße oder vor Haustüren ausgesetzt« sagt Pastor Emmanuel Traoré, ehemaliger Fussballer der französischen Nationalmannschaft. »Man findet sie auf Müllhalden; einfach überall. Und, was noch entsetzlicher ist: Babys werden vor Lastwagen geworfen, damit sie von diesen überfahren werden.«

Dahinter steckt meist Verzweiflung. Teenager vom Land, als Dienstmädchen engagiert, werden Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch – und schwanger. Mittellosigkeit, Religion, Familienehre treiben dazu, die Babys zu »entsorgen«.

Emmanuel und seine Powerfrau Saran bieten bereits 23 ausgesetzten Kindern ein liebevolles Zuhause mit familiärem Anschluss: »Wir können nicht verhindern, dass Kinder sterben. Aber wir können zumindest einigen Liebe schenken und ihnen Sicherheit und Bildung geben, damit sie in Zukunft zur Entwicklung des Landes beitragen können.«

AVC finanziert den Bau eines Kinderheims, in dem nach weiteren Bauetappen bis zu 200 Kinder aufgenommen werden können.


Schule auf Top-Niveau
Esther, eine der Lehrerinnen, bringt das Anliegen unserer vor neun Jahren eingeweihten Schule auf den Punkt: »Der Unterschied zur staatlichen Schule ist die Liebe. Wir unterrichten die Kinder, als ob sie unsere eigenen wären. Ich wünsche mir, dass dies Kleinen das Evangelium verstehen und zu starken Persönlichkeiten heranreifen, die in unserem Land einmal Verantwortung übernehmen.«

Um die Jugendlichen nach der Grundschule weiter in diese Richtung zu lenken, hat AVC letztes Jahr die Grundschule durch ein Gymnasium ergänzt. Und dieses erweitern wir zurzeit durch neue Räumlichkeiten.

Der Bürgermeister der Region bestätigt, dass wir auf gutem Kurs sind: »Bildung ist die Basis von allem. Die Schule ist wegen des Muts der Lehrer, der Pünktlichkeit, des Know-hows und der Art und Weise, wie die Schüler betreut werden die beste in der Republik Mali. Die Ergänzung durch das Gymnasium ist hier hochwillkommen!«

Wir sind stolz darauf, in Mali einige positive Kontrastpunkte setzen zu können.

* Name aus Sicherheitsgründen geändert