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libanonLibanon: Dem Tod entkommen

»Gott sei Dank hat sie nicht auf meinen Rat gehört«.  Ein väterliches Eingeständnis mit Seltenheitswert.

Ich halte mich im Schlafzimmer auf. Plötzlich bebt die Wohnung, dann eine ohrenbetäubende Explosion. Meine Frau im Wohnzimmer schreit. Die Gasflasche in der Küche! schießt es mir durch den Kopf. Ich haste durch den Flur, um nach meiner Frau zu sehen, stürze und verletze mich dabei.

Unterwegs im Gefahrenbereich
Eine Stunde zuvor. Meine 18-jährige Tochter ist mit ihrer Freundin auf dem Weg in die Stadt, nur wenige hundert Meter von der späteren Explosionsstelle entfernt. Es sind ihre letzten Stunden im Libanon vor der Abreise zum Studium ins Ausland. Sie steckt in einem Verkehrsstau und ruft mich an: »Was meinst du, was soll ich tun?« Mein Rat: »Bleib auf deiner Route und warte, bis der Verkehr nachlässt, auch wenn’s ein paar Stunden dauert«. Doch in Missachtung meines Rats sucht sie einen Schleichweg aus dem Stau heraus. Hätte sie auf mich gehört, wären sie und ihre Freundin höchstwahrscheinlich Opfer dieser verheerenden Explosion am Hafen geworden.

Anpacken!
Bilder, Videos und Nachrichten führen uns allmählich das schockierende Ausmaß der Zerstörung in Beirut und die Zahl der Opfer vor Augen. Wir sind entsetzt.

Mit einer Gruppe von Freunden und Leuten aus unserer Kirche suche ich das Krisengebiet auf, um zu sehen, ob wir irgendwie helfen können. Auch andere Kirchenglieder und Hunderte von Freiwilligen packen an, um bei der Reinigung von Gebäuden, Straßen und Plätzen zu helfen. Wir besorgen Lebensmittel und Wasser und verteilen beides an bedürftige Familien. Und wir geben Gutscheine aus, mit denen die Leute sich Dinge des täglichen Bedarfs besorgen können. Während des kommenden halben Jahres werden wir 50 betroffene Familien mit Lebensmittelpaketen versorgen. Darüber hinaus ist es das Dringlichste, beschädigte Häuser instand zu setzen. Der Winter kann auch hier kalt werden und wird rasch nahen. Also besorgen wir Fenster und Türen, helfen beim Einbau, reparieren Wände und Haustechnik. Solche praktischen Arbeiten werden uns noch lange beschäftigen.

Herzlichen Dank an AVC und Nehemia, die sofort und unkompliziert die Mittel für die Nothilfe zur Verfügung gestellt haben.