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Südsudan Ich war eines zu vielSüdsudan: »Ich war eines zu viel«

»Ich heiße Rania und bin zwölf. Ich komme aus einer Stadt im Südsudan. Bei uns war Krieg, und die Stadt ist kaputt. Niemand lebt mehr dort.«

Unerwünscht und abgeschoben
»Mein Vater ist Bauer. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß auch nicht, ob er noch lebt. Weil Krieg war, floh meine Mutter mit mir und meinen beiden Brüdern. Sie wohnt jetzt in Juba und arbeitet auf dem Markt. Meine Brüder sind von verschiedenen Vätern. Mich wollte die Mutter nicht bei sich haben. Sie brachte mich zu Verwandten. Doch die waren böse zu mir, weil sie mich auch nicht wollten. Jeden Tag hatte ich Angst. Keiner hat mir geholfen. Dann hat meine Mutter Mamma Cecilia vom Kinderheim* kennengelernt. Sie brachte mich dorthin. Und Mamma Cecilia sagte, dass ich bleiben darf. Ich wusste, dass meine Mutter froh war, ein Kind weniger zu haben.«

Erwünscht und aufgenommen
»In dem Heim war alles anders, viel besser. Von Anfang an habe ich viel Liebe gespürt. Ich wusste vorher nicht, was das ist. Zum ersten Mal war ich irgendwo willkommen. Auch die anderen Kinder waren nett zu mir. Hier gibt es Wärme und Freude. Ich habe gemerkt, dass auch andere Kinder viel Böses erlebt haben. Zum ersten Mal habe ich ein Zuhause.

Was besonders schön ist: Ich darf zur Schule gehen. Doch am Anfang war es oft nicht leicht. Meine Gefühle haben verrückt gespielt. Ich habe immer wieder an meine Vergangenheit denken müssen. Ich habe lange gebraucht, um mich an das Kinderheim und die Schule zu gewöhnen.

Doch ich habe so viel Gutes erlebt. In der Schule haben sie uns biblische Geschichten und von Jesus erzählt. Ich wollte ihn kennen lernen. Vor zwei Jahren habe ich dann Jesus in mein Herz eingeladen. Das hat vieles verändert. Ich habe verstanden, dass Jesus mir vergeben hat, was ich in meinem Leben falsch gemacht habe. Aber dann hat Mamma Cecilia gesagt, ich soll auch meiner Mutter vergeben. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Sie hat mich doch gehasst und mich immer spüren lassen, dass ich nicht erwünscht bin. Sie war für mich wie ein Feind.«

Traumatisiert und wiederhergestellt
»Aber Mamma Cecilia hat nicht lockergelassen. Sie hatte immer Geduld mit mir. Ich konnte ihr einfach alles sagen, was in mir hochgekommen ist. Es ist mit mir auf und ab gegangen. Doch irgendwann wusste ich, dass ich meiner Mama vergeben kann. Heute kann ich im Kinderheim anderen helfen, weil ich sie verstehe. Ich singe gern im Kinderchor der Schule und unserer Kirche mit. Dort fühle ich mich wohl. Und ich möchte anderen Menschen Mut machen und ihnen sagen, wie Gott mein Leben verändert hat.«