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Tansania Umgeben von Meer und Muslimenn

Irak: Als Fremdlinge an der Buchmesse

Man stelle sich vor: Bibeln und das Buch eines Pfarrers aus der Schweiz an einer Buchmesse islamischer Fundamentalisten im Irak. Nur Gott selbst kann solches inszenieren.

Ich hatte keine Ahnung von einer Buchmesse, als ich nach Sulaymaniya kam, um den Druck von Geri Kellers Buch »Vater« in kurdischer Übersetzung zu arrangieren.

Wenn Gott die Fäden zieht
»Warum präsentieren Sie Ihre neuen Bücher nicht auf der Messe?« fragt der Drucker. »Hm, aber ich bin doch Christ!« Mein Einwand zählt nicht. »Sie sind herzlich willkommen, ich kann Ihnen einen 3x3-Meter-Stand bereitstellen.« Erst später wird uns klar, dass die gesamte Buchmesse von der Muslimbruderschaft initiiert und gesponsert ist. Hätten wir das gewusst, hätten wir uns kaum auf das Wagnis eingelassen. Mir wird deutlich: Gott zieht hier die Fäden.

Erfolg nach lauem Start
Wir staffieren den Stand aus mit kurdischen Bibeln und Kinderbibeln in verschiedenen Sprachen. Geri Kellers neues Buch »Vater« in vier lokalen Sprachen Farsi, Arabisch, Kurmandji und Sorani platzieren wir prominent. Verschenken wollen wir nichts. Den Passanten soll klar werden, dass Gottes Wort seinen Wert hat.

Die ersten Tage sind enttäuschend. Kaum Besucher. Andere Standbetreiber verbreiten uns gegenüber eine feindselige Stimmung. Vollbärtige Passanten spucken vor uns aus, beschimpfen uns. Doch Gott schenkt auch ein paar gute Begegnungen. Irgendwann aber gibt es mehr Besucher, mehr Gelegenheiten zum Reden, mehr verkaufte Bücher und immer mehr dankbare Feedbacks zu unseren Büchern in kurdischen Sprachen. Fast alle anderen Bücher an der Buchmesse in dieser kurdischen Stadt sind in Arabisch geschrieben und befassen sich mit dem Islam und dem Koran. Viele Besucher kommen aus dem nahegelegenen Iran und sind besonders dankbar für unser Sortiment. Wir können zahlreiche Suchende mit Gottes Wahrheit vertraut machen: mit kurdischen Bibeln und Neuen Testamenten, kurdischchristlicher Literatur, arabischen Neuen Testamenten und dem »Vater«-Buch in allen vier Sprachen. Auffallend viele junge Leute besuchen unseren Stand.

Spannende Begegnungen
Da kommt eine Frau vorbei und bittet um eine Bibel. »Meine Mutter ist Zarathustrierin, aber gezwungen worden, einen Muslim zu heiraten. Ich mag meine Religion nicht, da sie für mich zuviel Gewalt enthält. Seit zwei Jahren will ich das heilige Buch der Christen lesen. Wie gut, es hier zu finden!« Glücklich geht sie mit einer Bibel und dem Buch von Geri Keller davon. Wenig später kommt sie zurück und fragt, welche Waschungen sie vorzunehmen habe, bevor sie das Heilige Buch öffnen dürfe. Ich erkläre ihr, sie könne das Buch öffnen wie jedes andere: »Nicht das Buch ist heilig, sondern Gott, der durch die Worte darin zu deinem Herzen spricht.« Tags darauf erwartet sie uns gleich bei Türöffnung mit fragenden Augen. »Ist das wahr? Gott selbst sagt, er sei unser Vater. Sind wir ihm so wichtig?«

Ein kleiner Junge verlässt begeistert unseren Stand, ein kleines Büchlein in der Hand und am Arm ein mit Kreuz und Herz versehenes Armband. Nur Augenblicke später steht er wieder da und legt, die Augen auf den Boden gerichtet, beides auf den Tisch zurück. Eine seiner Wangen glüht und zeigt deutlich die Spuren einer Ohrfeige.

Ein bärtiger, offensichtlich salafistischer Mann spricht uns an: »Packt für mich ein paar Bibeln und andere Bücher in eine Tasche und versteckt sie unter diesem Tisch, damit ich die Literatur später unbemerkt mitnehmen kann.«

Auch aufgeschlossene Kurdenfamilien kommen vorbei. Der Buchtitel »Das Vaterherz Gottes« spricht sie besonders an. Eine Frau sagt: »Das ist ein interessanter Titel. Mein Vater hatte ein bösartiges Herz.« Die Szene mündet in eine zweistündige seelsorgerli-che Beratung.

Diese geschilderten Begegnungen stehen für zahlreiche andere. Auch TVReporter suchen uns auf, bitten um Interviews über Christen und die Bibel.

Fluchtartiger Abgang
Die freundliche Atmosphäre am christlichen Stand – im Kontrast zur finsteren und mürrischen an den meisten anderen Ständen – fällt auf und wird da und dort kommentiert. Doch aufgrund des sich zusammenbrauenden Gewitters von Seiten der anderen Aussteller beschließen wir, unseren Stand vorsorglich einen Tag früher zu räumen. Kaum ist das geschafft, eskaliert die Situation. Es kommt zu handfesten, tumultartigen Szenen, ausgelöst durch die gewissen Aussteller. Das Sicherheitspersonal schreitet ein. Und wir – dankbar, alles bereits eingeräumt zu haben – machen uns aus dem Staub.

Gott hat unsere Anwesenheit in dieser Ausstellung geplant und uns rechtzeitig zu den Büchern verholfen. Er hat es möglich gemacht, sein Wort in einem feindseligen Umfeld weiterzugeben und uns geschützt. Ihm steht die Ehre zu. Und jetzt kann ich, so Gott will, endlich wieder mal zurück zu meiner Frau, die ich während eines langen Monats nicht gesehen habe.


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