
Ein Land im Griff des Dschihad
In derselben Angriffswelle wurden jedoch auch zahlreiche Dörfer angegriffen und niedergebrannt. Dabei kamen Angreifer, Sicherheitskräfte und Zivilisten ums Leben. Am Abend meldete das Militär, die Lage sei mehrheitlich unter Kontrolle, und verhängte in der Hauptstadt eine 72-stündige Ausgangssperre. Eine Angriffswelle dieses Ausmaßes ist beispiellos und zeigt die Entschlossenheit des islamistischen Terrors. Unser Team in Bamako und Umgebung hat seine Aktivitäten vorübergehend eingestellt und wartet, bis die Ausgangssperre aufgehoben wird und sich die Lage etwas beruhigt hat.
Das Land braucht Heilung und Hoffnung, denn die Sicherheitslage bleibt angespannt. Der letzte Angriff auf einen Treibstoffkonvoi ereignete sich am 29. Januar. Mehrere Fahrer wurden dabei ermordet, ihre Leichen verstümmelt. Seit mehr als zwei Wochen gelingt es der Armee zwar, die Treibstofftransporte zu eskortieren, sodass in der Hauptstadt wieder Treibstoff verfügbar ist. Doch im Landesinneren verschärft sich die Situation für die Bevölkerung zunehmend.
Viele Menschen stehen vor einer unmenschlichen Wahl: Entweder sie akzeptieren die von dschihadistischen Gruppen auferlegten Bedingungen – darunter Zahlungen, die Verschleierung der Frauen, Zwangsverheiratungen oder die Schließung von Schulen, die nicht den Koran unterrichten – oder sie riskieren die Zerstörung ihrer Häuser. Außerhalb der Städte wird die Scharia konsequent durchgesetzt, insbesondere in Bussen, auf Straßen und in Dörfern.
Reisen innerhalb des Landes sind aufgrund zahlreicher Kontrollen durch dschihadistische Gruppen äußerst schwierig geworden. Gleichzeitig werden Produktionsstätten außerhalb der Dörfer gezielt zerstört, was die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit weiter verschärft und vielen Menschen die Lebensgrundlage entzieht. Zahlreiche Dörfer wurden zerstört, Tausende Menschen sind obdachlos und irren ohne Unterstützung umher.
Die Folgen dieser anhaltenden Gewalt sind verheerend. Mehr als 2300 Schulen wurden im ganzen Land geschlossen, wodurch über 700’000 Kinder keinen Zugang mehr zu Bildung haben – sei es aus ideologischen Gründen oder aufgrund akuter Unsicherheit und gezielter Angriffe auf Lehrpersonen.
Gleichzeitig spitzt sich die Lage durch neue Flüchtlingsbewegungen weiter zu. Täglich erreichen Hunderte Menschen aus Burkina Faso die Stadt Koro im Zentrum Malis. Dort betreibt AVC die Nehemia-Siedlung mit einem Landwirtschaftsprojekt für christliche Binnenvertriebene.
Auch die christlichen Gemeinden stehen unter starkem Druck. In einigen Regionen mussten Kirchen schließen, weil die Gläubigen die geforderten Abgaben nicht bezahlen konnten. Andere Gemeinden bleiben geöffnet – jedoch nur, weil sie sich der Zahlung der Dschizya unterwerfen, einer Steuer für Nicht-Muslime.





