AVC News Report 3 2022 Südsudan
June 10 2022

Nachruf

SÜDSUDAN
Unvergessen wird für ihn nicht nur die erste Begegnung mit Pastor Bashir bleiben, sondern er selbst.

Pastor Bashir verstarb Anfang April in einem Krankenhaus in Nairobi. Er wurde nur 42 Jahre.

An die erste Begegnung mit Bashir werde ich mich stets erinnern. Es war im Frühjahr 2013, kurz nach seiner Ausweisung aus Khartum. Ich traf ihn im südsudanesischen Juba. Viele unserer Gespräche waren damals geprägt von der Tortur, die er im Sudan durchgestanden hatte. Inhaftierung, Folter und eine überstürzte Ausweisung hatten in ihm Spuren hinterlassen. Dazu kam der Verlust jeglicher beruflicher Aussichten sowie des Privatvermögens des erfolgreichen Unternehmers und Pastors. Der Sudan war ihm fortan verschlossen – für Bashir und, so schien es, auch für AVC.

Natürlich richtete sich der Blick auch in die Zukunft. Wie konnte es weitergehen für ihn, wie für AVC. Vielleicht gemeinsam? Eines wurde klar: Hass und Bitterkeit auf die arabischen und muslimischen Sudanesen, die ihm so viel angetan hatten, würden im Herzen des Schwarzafrikaners keinen Raum finden. Im Gegenteil. Dem Trauma erwuchs eine neue Berufung. In weiteren Begegnungen, später auch in Deutschland, entstand die Vision »Back to Sudan with the Gospel«. Warum nicht im Südsudan eine Operationsbasis aufbauen, welche Gemeinden mobilisieren und Leiter ausbilden würde, um diesseits und jenseits der Landesgrenzen das Evangelium zu verbreiten und Gemeinden zu gründen? Warum nicht Mitarbeiter trainieren und aussenden – auch dorthin, wo man selbst nicht mehr hingehen konnte?

Viel erreicht in kurzer Zeit Im Lauf der wenigen Jahre seit diesen Anfängen ist eine große Arbeit entstanden, die zehntausende von Menschen erreicht. Da sind zum einen die Christen in den über 100 neugegründeten Gemeinden. Viele von ihnen haben einen muslimischen Hintergrund oder lösen sich aus Verstrickungen in der Zauberei und kommen zum Glauben an Jesus Christus. Zum andern sind da Kinder und Jugendliche, die erstmals elementare Bildung genießen. Auch helfen wir zahlreichen Opfern von Naturkatastrophen und Überfällen. Und dann sind da jetzt Brunnen, die Zugang zu sauberem Trinkwasser bieten.

In der Fülle der Eindrücke anlässlich gemeinsamer Projektbesuche behält Raja einen besonderen Platz in meinem Herzen. Diese Stadt im äußersten Nordwesten des Landes ist Zentrum okkulter Praktiken. Der Durchbruch bei der dortigen Gemeindegründung gelang in der Folge einiger spektakulärer Heilungen. 2017/18 durchlitten die Menschen dort eine Krisenzeit. Bürgerkrieg und Dürre führten zu Ernteausfällen und Hungersnot. Hilfsgüter über hunderte von Kilometern und durch Rebellengebiet herbeizuschaffen, war nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Nach einer, selbst im geländegängigen Fahrzeug strapaziösen Anreise konnten wir zwei LKW-Ladungen an Getreide in Empfang nehmen und so die ersehnte Hilfe bringen. Neben Gottes Schutz trug Bashirs Geschick maßgeblich zum Gelingen dieser gefährlichen Aktion bei. Später half die Verteilung von Saatgut, die lokale Versorgung in Gang zu bringen. In der Zwischenzeit hat die Gemeinde vier Tochtergemeinden gegründet. In einer neuen Grundschule werden knapp 1000 Kinder unterrichtet. Die Stadt hat sich verändert.

Charisma und Leidenschaft für Jesus Das Charisma und seine Leidenschaft für Jesus halfen Bashir bei der Umsetzung seiner großen Vision. Menschen folgten ihm gerne und waren bereit, erhebliche Opfer zu bringen, um Teil dieser Vision zu sein. Sicher auch deshalb, weil Bashir selbst vollen Einsatz erbrachte. Mit seinem alten Leben hatte er in der Todeszelle des Gefängnisses von Khartum abgeschlossen. Das geschenkte neue Leben war er bereit einzusetzen. Ihm war kein Weg zu beschwerlich; keine Mission zu gefährlich. Das trug ihm während der Zeit im Südsudan Überfälle und Ausplünderung, Inhaftierungen und Folter ein. Dabei blieb er immer ein fröhlicher Mensch mit einer guten Portion Humor – und einer Schwäche für Eis.

Ein schmerzlicher Verlust In Bashir verlieren wir als AVC International einen lieben Freund, einen starken Partner und ein großes Vorbild.

Eduard Schmidt, Leiter von AVC Deutschland: »Was Bashir besonders auszeichnete, waren nicht in erster Linie seine Vision und die großen Erfolge. Es war seine Hinwendung zu Menschen. Egal ob in Afrika oder Europa – er suchte stets das Gespräch mit dem Einzelnen. Ich muss gestehen, dass mir dies manchmal etwas Mühe bereitete. Als ich mit ihm im Südsudan unterwegs war, ärgerte es mich schon ein wenig, wenn er über eine Stunde lang mit einer Mama aus einem weit abgelegenen Dorf sprach – und ich warten musste. Gleichzeitig jedoch war er mir gerade auch in seiner Geduld und Hingabe ein Vorbild. Für Bashir stand immer der Mensch im Mittelpunkt. Trotz der Erfolge seines Dienstes behielt er eine Bodenständigkeit, die mir immer wieder großen Respekt abnötigte.«

Für die weitere Arbeit im Südsudan vertrauen wir Gottes Fürsorge. Bitte denkt in euren Gebeten besonders an dieses Land.

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