Report 3/2022 Togo
July 29 2022

Dem Tod von der Schippe gesprungen

TOGO
Wie der Einsatz in Togo zu einem Kampf auf Leben und Tod wurde.

Für elternlose Kinder in Togo sollten Waisenhäuser gebaut werden. Und da ich von Beruf Bauleiter bin, schickte mich AVC-Pionier Waldemar Sardaczuk dort­hin. Das brachte mich an die Grenzen meiner Geduld – und an den Rand des Grabs.

Auf abgelegenem Gelände rodeten wir Gebüsch und Gras. Das passte den unzähligen giftgrünen Mambas gar nicht. Wütend zischend gaben sie ihren Protest zum Ausdruck, um jeweils umgehend von einheimischen Arbeitern erschlagen zu werden. Dass niemandem von uns eine tödliche Giftinjektion verpasst wurde, grenzte an ein Wunder. Nachdem ich Baupläne gekritzelt hatte, goßen wir Fundamente und fabrizierten Zementsteine. Und dann gings ans Bauen. Die einheimischen Bauleute hatten offensichtlich noch nie etwas von Senkel und Blei gehört, entsprechend schief gerieten die Wände. Ich ließ alles wieder einreißen und instruierte sie mit großer Geduld, wie sie mit einfachen Hilfsmitteln gerade Wände hinkriegen würden.

Dann warf es mich um. Das Fieber stieg auf 41,8°C und mein Körper nahm keine Flüssigkeit mehr auf. Ich hatte Cholera, besser gesagt: Die Cholera hatte mich. Zum Wenigen, das ich über diese Krankheit wusste, gehörte, dass man ohne Behandlung keine drei Tage überlebt. Man karrte mich zur Buschklinik. Doch angesichts dieser modrigen Bruchbude stand für mich fest: Da kommst du nur in einer Holzkiste wieder raus. Mit letzter Kraft schleppte ich mich aus der Hütte und bat darum, in unsere Unterkunft gebracht zu werden. Während meine afrikanischen Gefährten wie Weltmeister beteten, ver­leibte ich mir eine Überdosis Bactrim Forte ein, sodass meine Temperatur in kürzester Zeit auf 35°C sank.

Nun fühlte ich mich noch elender als zuvor und konnte das Bett für drei Tage nicht verlassen. Immerzu ver­folgten mich Visionen von schiefen Wänden – im Traum oder im Delirium. Doch am vierten Tag entfalteten das Beten oder das Medikament oder beides ihre Wirkung. Noch völlig geschwächt bat ich meine Freunde, mich auf die Baustelle zu bringen. Sie platzierten mich in einen Korbsessel unter einer Bananenstaude. Von dort aus gab ich trotz eingeschränkter Gehirnkapazität Instruk­tionen, und die Häuser wurden rechtzeitig fertig – mit senkrechten Wänden! Bis ich selbst wieder auf der Höhe war, musste allerdings noch sechs Monate vergehen.

Daniel Hofer, Gründer und Leiter (bis Mai 2022) von AVC Schweiz

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